Serie „Agile Führung“ – Worauf kommt es wirklich an?

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Agilität ist in aller Munde – kaum eine Führungskraft kommt mehr daran vorbei. Denn unter „agile Führung“ versteht man schnelles, flexibles und gut angepasstes reagieren und entscheiden – aktuell ein Muss für jedes Unternehmen. Dabei fallen Begriffe wie „transparenter Prozess“ oder „autonome Mitarbeiter“. Doch was steckt eigentlich wirklich hinter agiler Führung? Und vor allem: Was heißt das für die Praxis?

Eine Frage des Gefühls: Lernen Sie tanzen oder lernen Sie Schritte?

Stellen Sie sich vor, Sie möchten Standardtänze lernen, um bei der nächsten Hochzeit einen guten Eindruck zu machen. Dazu suchen Sie eine Tanzschule auf und nehmen regelmäßig Einzelstunden. Sie erlernen einzelne Schritte, wiederholen diese zu denselben Liedern. Immer und immer wieder steigen Sie die Schritte nach „links, rechts, nach vorne, nach hinten“. Und doch treten Sie jedes Mal Ihrem Partner auf die Füße. Nun haben Sie zwei Optionen. 

Variante A
Entweder Sie klemmen sich richtig dahinter und machen die Schritte immer wieder nach. Sie studieren sie so lange ein, bis ihre Beine die Choreographie im Schlaf können.

Variante B
Oder Sie lernen, auf die Musik zu hören. Sie lernen, die Schritte mit dem Takt zu verbinden und dabei zu verstehen, wie die Bewegung Ihres Partners mit der ihrigen zusammenspielt. Bis Sie sogar mit einer spontanen Drehung souverän mitgehen können.

Das gleiche gilt für Führung und Agilität. Der große Unterschied liegt darin, ob Sie sich Werkzeuge zurechtlegen und die herausgraben, wenn sie gefragt sind, oder ob Sie lernen selbst agil zu sein und dadurch ein agiles Umfeld schaffen – denn agil führen ist ein Mindset

Eine Frage der Haltung: Agile Führung durch ein Growth Mindset

Der Begriff Mindset umfasst unsere innere Haltung, unsere Denkweisen, unsere Einstellungen und Gedankengut. Je nach Mindset bewerten wir Dinge anders und gehen unterschiedlich an sie heran. 

Carol Dweck unterscheidet dabei einen Fixed und einen Growth Mindset. Ein Fixed Mindset ist geprägt von einem statischen Selbstbild. Für jene Menschen zählen Ergebnisse. Sie erkennen Sie an Gedanken wie „Ich bin so“ oder „Ich kann es nicht“.  Menschen mit einem Growth Mindset hingegen, haben ein dynamisches Bild von sich selbst. Sie sind auf Wachstum ausgerichtet. Agilität ist dabei eine Grundeigenschaft des Growth Mindset. 

Selbstreflexion: Was trifft eher auf Sie zu?

Fixed Mindset

Ich muss gut sein.

Meine Intelligenz ist mir vorgegeben.

Ich werde es nicht mehr versuchen. Das letzte Mal hat es auch schon nicht geklappt.

Ich bleibe lieber bei dem, was ich kann.

Ich kann es nicht.

Growth Mindset

Durch Lernen kann ich mich weiterentwickeln.

Ich kann durch Einsatz mein Potential selbstbestimmten.

Was kann ich diesmal besser machen?

Ich heiße Herausforderungen willkommen.

Ich kann es noch nicht.

Gute Nachrichten für jene, die eher zu einem Fixed Mindset tendieren: Der Mensch an sich ist agil und wir können unsere Emotionen und Denkweisen beeinflussen. 

Video-Tipp: Carol Dweck zu „Fixed und Growth Mindset und die eigene Lernfähigkeit“.

Eine Frage des Handelns (Tuns): Bewegung statt Schockstarre 

Um zu verstehen, warum Agilität so wichtig ist, gehen wir weiter mit unserem Beispiel. Nun stellen Sie sich vor, Sie sind auf der besagten Hochzeit und es fordert Sie jemand zum Tanzen auf. Sie gehen auf die Tanzfläche und statt Johann Strauß wird plötzlich ein Popsong von Micheal Jackson gespielt. Wie geht die Situation weiter?

Mit Variante A und einem Fixed Mindset
… werden Sie sich wahrscheinlich darüber ärgern, dass Sie den falschen Kurs besucht haben und sind mit der Situation überfordert. Sie können zwar versuchen, die eingelernten Schritte anzuwenden – doch auch mit Mühe werden Sie nicht gut performen können. 

Mit Variante B und einem Growth Mindset
… werden Sie vielleicht über die überraschende Tanzmusik lachen und einfach spontan auf das Lied und den neuen Tanzpartner reagieren. Mit Spaß bewegen Sie sich im Takt mit der Musik und haben dabei schon längst das nach „links, rechts, nach vorne, nach hinten“ vergessen.

Agilität bedeutet in Bewegung zu bleiben. Und das ist essentiell als Führungskraft. Denn der Führungsalltag wird Ihnen immer wieder neue Situationen bieten, auf die Sie sich nur bedingt vorbereiten können: ob das nun ein neuer Mitarbeiter ist, eine Umstellung im Betrieb, eine Pandemie oder ein außergewöhnlicher Kunde ist. 

Wenn Sie sich nun denken „Ja bitte, das möchte ich auch!“ – nochmals gute Nachrichten für Sie: dieser Artikel ist nur einer von 4 aus unserer Serie zum Thema „agile Führung“. In den kommenden Wochen haben wir für Sie Praxistipps wie Sie Eigenagilität fördern und ein agiles Umfeld als Führungskraft schaffen können.

Fazit
Agile Führung zählt zu einer der wichtigsten Faktoren, um langfristig und erfolgreich sein zu können. Agilität ist nicht ein Werkzeugkoffer, mit Maßnahmen, die sie setzen können. Ganz im Gegenteil: Agilität ist eine innere und erlernbare Einstellung, die sich auf ihr ganzes Umfeld auswirkt.

Seminar-Tipp: Souverän als Führungskraft

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