Moderne Arbeitswelt: Eigenverantwortung & Sinnfindung

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Die Fachzeitschriften sind derzeit überfrachtet mit Artikeln zur neuen Arbeitswelt: Digitalisierung, Flexibilisierung und Demokratisierung scheinen wichtiger denn je.

Angesichts der neuen beruflichen Anforderungen ist es nicht verwunderlich, dass sich bei manchen MitarbeiterInnen auch Zweifel und Ängste einstellen. Doch Angst führt eher zu Widerstand und Stillstand, anstelle von Dynamik und Lösungsorientierung.

Es ist richtig: die Arbeitswelt ändert sich. Aber nicht nur die Arbeitswelt. Sie ist Teil der sich verändernden Gesellschaft. Das bedeutet auch: Der Mensch ist auch in seiner Rolle als MitarbeiterIn mehr denn je gefordert, Verantwortung zu übernehmen. In erster Linie für sich selbst, für seine gesamte Lebensgestaltung und damit auch für seine Haltung im Arbeitsleben.

Selbstbestimmung ist ein menschliches Grundbedürfnis

Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass es (uns) Menschen generell schwer fällt, aus einer passiven Haltung heraus zu einer Position der Autonomie und Selbstverantwortung zu kommen. Gleichzeitig gibt es klare Erkenntnisse, dass jeder selbst – im Grunde mit Leichtigkeit – etwas dazu beitragen kann, um sich (wieder) stärker als wirksamer Gestalter seiner Welt zu erleben.

Für unsere Gesundheit sind dabei zwei Dinge essentiell:

  • Die jeweilige Aufgabe muss handhabbar, verstehbar und sinnvoll sein und
  • sie kann mit Eigenmotivation und in größtmöglicher Autonomie erbracht werden.

Empowerment braucht Bereitschaft auf beiden Seiten

Organisationen sollten daher in Zukunft Strukturen und Führungsqualitäten aufbauen, die dieses menschliche Verhalten ermöglichen bzw. unterstützen. Es wird sich aber nur dann zum Wohle aller entwickeln, wenn auch die einzelnen MitarbeiterInnen die Bereitschaft mitbringen, empowert zu werden.

Die heute oft erlebte Entfremdung und der Sinnverlust, der sich durch stetiges Jammern noch verstärkt, ist hingegen nicht förderlich – weder für die Gesundheit der Menschen, noch für den Fortbestand der Organisationen. Besser wäre eine Haltung des Gestaltens und der Lösungsorientierung. Sinnfindung im Tun lässt sich allerdings nicht „von außen“ zuführen, diese Verantwortung bleibt bei jedem Einzelnen.

Autonomie und Selbstverantwortung funktionieren nur, wenn auch die MitarbeiterInnen Klarheit auf drei Ebenen erleben:

1. in Bezug auf sich selbst,
2. die eigene Leistung, Ziele und Bedürfnisse
3. und Sinnhaftigkeit.

Sinnorientierung fängt bei sich selbst an

Die Freude, Dankbarkeit und Begeisterung, die den Beginn eines neuen Dienstverhältnisses oder einer neuen Aufgabe im Unternehmen begleitet, scheint mit der Zeit zu versickern. Der Fokus und die Aufmerksamkeit richten sich auf jene Dinge, die anders sein sollten – oder die sich nicht so entwickeln, wie man es wünscht. Entsprechend des homo oeconomicus ist uns allen zugänglich, dass auch in der Arbeitswelt – wie auch sonst im Leben – unterschiedliche Sichtweisen, Anforderungen und Bedürfnisse aufeinandertreffen und uneingeschränkte Autonomie nicht gegeben sein kann.

Würde uns nicht vieles leichter fallen, wenn wir uns öfter bewusst machen würden, dass wir uns täglich aus freiem Willen für eine konkrete Aufgabe und ein Unternehmen einsetzen? Wenn wir wieder spüren, dass uns ein natürlicher Leistungswille innewohnt und Ziele positive Energien freisetzen?

Denn was bleibt, wenn man die eigene Vision (also sein Ziel) aus den Augen verloren hat? Wonach soll dann gestrebt werden? Was gibt einem dann die Kraft und erhält Lebensfreude? Stetige Kontrolle und Steuerung (z.B. durch Zielvereinbarungen) – quasi als letzter Rahmen der Orientierung, weil man beim Einstechen in der Früh die Verantwortung des eigenen Seins an einen Arbeitgeber abgegeben hat?

Nein, das kann nicht die neue Arbeitswelt sein, so bleiben MitarbeiterInnen nicht gesund und glücklich und dem Unternehmen wird es an Innovationskraft und Kreativität mangeln.

Erfolgreiche Führung braucht ein agiles Mindset

Agile Organisationen zeichnen sich neben anderen Merkmalen insbesondere durch ihre selbstbewussten, positiv denkenden MitarbeiterInnen aus. Auch dort gibt es Probleme und Herausforderungen, aber der Umgang damit ist ein anderer – sowohl aus der Sicht der Führung, als auch aus der Sicht der MitarbeiterInnen.

Eine agile Organisation ist dann eine Win-Win-Situation für Unternehmen und MitarbeiterInnen, wenn förderliche Rahmenbedingungen mit einem klaren Commitment zusammentreffen.

In einer derartigen Arbeitswelt können

  • die Motivation und Begeisterung fürs Tun wirksam werden,
  • die Menschen sich an ihren eigenen Stärken erfreuen und
  • die Unternehmen durch Erfolg wachsen.

Der Weg dorthin ist vielleicht nicht bequem und erfordert Klarheit und Mut auf beiden Seiten. Aber er lohnt, denn: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Über die Autorin:
Dr. MMag. Nina Löffler ist ausgewiesene Expertin für Arbeits- und Organisationspsychologie mit langjähriger Erfahrung sowohl im Unternehmensumfeld als auch aus selbständigen Beratungs- und Coaching-Projekten.

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