Aus der Praxis: Die Magie des Dreiecks der Gemeinsamkeiten

Die Magie des Dreiecks der Gemeinsamkeiten zeigt, was Teams verbindet.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die Teams groß machen. Mit dem „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ entdecken Teammitglieder, was sie verbindet – und legen damit die Basis für Vertrauen und Zusammenarbeit. Einfach, wirksam, verbindend.

Das Dreieck der Gemeinsamkeiten

Wie gut kennen sich die Menschen in Ihrem Team wirklich?

Oft sind es nicht die großen Themen, sondern die kleinen Gemeinsamkeiten, die Nähe und Vertrauen schaffen. Genau das macht das „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ so kraftvoll: ein einfaches, leicht umsetzbares Tool, das Teams schnell miteinander verbindet.

Stellen Sie sich drei Menschen vor, die nebeneinander vor einem Flipchart stehen. Anfangs noch etwas zurückhaltend, nach wenigen Minuten lachen sie: „Ach, das wusst’ ich ja gar nicht von dir!“ – ein kleiner Moment, der in Teams Großes bewegen kann.

Warum Gemeinsamkeiten wichtig sind

Teams funktionieren nicht nur über Aufgabenlisten und Prozesse. Sie funktionieren, wenn Menschen einander kennen, verstehen und vertrauen. Vertrauen entsteht dabei selten über formale Rollen, sondern durch persönliche Bezüge.

Gerade in Teams, die sich neu formieren oder in Umbrüchen stehen, ist das entscheidend: Wer sich auf einer menschlichen Ebene verbunden fühlt, arbeitet offener, leichter und vertrauensvoller zusammen.

Was Teams stark macht

Aus der Teampsychologie wissen wir:

  • Zugehörigkeit ist ein Grundbedürfnis – wer das Gefühl hat, Teil einer Gemeinschaft zu sein, bringt sich stärker ein.
  • Vertrauen wächst, wenn Menschen mehr übereinander wissen als nur die Jobbeschreibung.
  • Psychologische Sicherheit entsteht leichter, wenn man auch mal etwas Persönliches teilen darf, ohne bewertet zu werden.

Das Dreieck der Gemeinsamkeiten – so funktioniert’s

Die Methode ist so simpel wie wirkungsvoll: Menschen kommen in kleinen Gruppen zusammen und entdecken, was sie miteinander verbindet. Jede Person findet Gemeinsamkeiten mit den beiden anderen, und am Ende ergibt sich ein Bild, das (überraschende) Überschneidungen zeigt.

So geht’s in der Praxis:

Beispiel Flipchart: Dreieck der Gemeinsamkeiten
  1. Gruppen bilden: Es werden Dreiergruppen gebildet. Am besten so, dass Personen zusammenkommen, die nicht regelmäßig miteinander arbeiten – also eher zufällig gemischt.
  2. Flipchart vorbereiten: Jede Gruppe erhält ein Flipchart und malt darauf ein großes Dreieck. An jede Ecke kommt der Name einer Person.
  3. Individuelles festhalten: An den Ecken ist Platz für persönliche Merkmale oder Besonderheiten, die jede:r einbringt – zum Beispiel „zwei Katzen“, „Spezialistin in…“, „ehrenamtlich tätig“, „drei Kinder“, „vier Jahre in der Abteilung“ oder ein besonderes Hobby.
  4. Runde des Vorstellens: Jede:r erzählt nacheinander von sich. Leitfragen können sein:
    o Was macht dich außerhalb der Arbeit aus?
    o Welche Stärken oder Erfahrungen bringst du mit?
    o Gibt es etwas, das dir besonders Freude macht?
  5. Gemeinsamkeiten suchen: Erst nachdem sich alle vorgestellt haben, geht es ans Entdecken der Überschneidungen. Das Dreieck füllt sich Schritt für Schritt mit Verbindungen. An den Außenseiten des Dreiecks finden sich Überschneidungen von zwei jeweils zwei Personen.
  6. Zeitbedarf: Für die Erarbeitung reichen 15–20 Minuten. 5 Minuten je Gruppe für die anschließende Präsentation.
  7. Ergebnisse vorstellen: Im Plenum stellt jede Gruppe ihr Dreieck – und damit die drei Teilnehmenden – kurz vor. Besonders lebendig wird es, wenn im Dreierteam reihum vorgestellt wird: A stellt B vor, B stellt C vor, C stellt A vor. Wichtig dabei: Nach jeder Vorstellung sollte die vorgestellte Person gefragt werden, ob sie noch etwas ergänzen möchte. So bleibt der Respekt gewahrt – und die Essenzen werden noch klarer sichtbar.
  8. Erinnerungsanker schaffen: Hängt die Flipcharts im Raum auf. So dienen sie im weiteren Verlauf des Teamtages als sichtbare Bezugspunkte.

Erfahrungswerte

Meine Tipps aus der Praxis:

  • Lasst euch Zeit und fragt interessiert nach. Fördert durch W-Fragen einen offenen Austausch.
  • Bitte keine „Reporterfragen“, die nur auf das schnelle Finden von Gemeinsamkeiten zielen.
  • Aktiv und interessiert zuhören ist hier das A und O – und kann gleich mitgeübt werden.
  • Vermeidet Altersangaben. Besser sind Themen wie Interessen, Werte oder persönliche Geschichten.

Auch für virtuelle Teams geeignet

Klappt übrigens auch online:

Das Dreieck der Gemeinsamkeiten funktioniert nicht nur im Workshopraum. Auch in Online-Settings, wenn Teams an verschiedenen Standorten sitzen, lässt sich die Methode einsetzen – zum Beispiel als Startpunkt für einen virtuellen Teamtag. Mit Breakout-Rooms und einem digitalen Whiteboard (z. B. Miro oder Mural) oder ganz einfach mit Powerpoint kann das Dreieck genauso gezeichnet und mit Leben gefüllt werden.

Praxis-Einblicke: Was Teams daraus machen

In meinen Workshops erlebe ich jedes Mal, wie viel Energie in diesem einfachen Tool steckt. Anfangs wirken manche noch zurückhaltend, doch schon nach wenigen Minuten entstehen echte Aha-Momente: „Ach, das wusste ich gar nicht von dir!“ oder „Das mache ich auch total gern.“

Besonders spannend ist, dass nicht nur Verbindungen über Hobbys oder Interessen entstehen – auch über geteilte Werte oder ähnliche Sichtweisen. Und manchmal sorgt sogar eine gemeinsame Abneigung für Verbundenheit: „Kohlsprossen? Nein danke!“ oder „Sport mag ich auch überhaupt nicht…“ – ein kleiner Lacher, der Nähe schafft.

Die Flipcharts hängen danach sichtbar im Raum und werden im weiteren Verlauf eines Teamtages immer wieder aufgegriffen:

  • als Bezugspunkt für persönliche Stärken und Leidenschaften,
  • als Erinnerung daran, dass es mehr verbindet als die gemeinsame Aufgabe,
  • manchmal auch als humorvoller Aufhänger („Ihr wart doch das Dreieck mit den Katzen und den Kohlsprossen…“).

So wirkt die Übung weit über den ersten Moment hinaus – sie öffnet Gespräche, schafft ein gemeinsames Lächeln und legt eine Grundlage für Vertrauen im Team.

Darum lohnt es sich!

Das „Dreieck der Gemeinsamkeiten“ ist mehr als nur eine nette Aufwärmübung. Es legt die Basis für Zusammenarbeit, die auf Vertrauen und Zugehörigkeit beruht – und das ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Teams.

Vorteile

Die Effekte im Überblick:

  • Vertrauen stärken: Wer etwas Persönliches teilt, zeigt sich nahbar. Das senkt Hemmschwellen und öffnet Gespräche.
  • Zusammenhalt fördern: Geteilte Werte, Leidenschaften – und ja, manchmal auch Abneigungen – schweißen zusammen.
  • Neue Perspektiven gewinnen: Selbst langjährige Kolleg:innen entdecken Überraschendes aneinander.
  • Psychologische Sicherheit aufbauen: Aktives Zuhören statt Reporterfragen – so entsteht ein Klima, in dem man sich traut, mehr von sich einzubringen.
  • Leichter Einstieg in Veränderung: Gerade wenn Teams neu formiert werden oder Veränderungen anstehen, hilft das Dreieck, eine stabile Basis zu legen.

Für HR und Führungskräfte bedeutet das: Mit minimalem Aufwand wird ein erster Effekt erzielt – und die Stimmung im Team dreht sich spürbar in Richtung Vertrauen und Offenheit.

Fazit

Das Dreieck der Gemeinsamkeiten ist ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller Startpunkt für Teamentwicklung. Es schafft Verbindung, öffnet Gespräche und stärkt die Basis für Zusammenarbeit – im Workshopraum genauso wie online.

Bei runddenker nutzen wir u.a. diese Methode, um Teams in Bewegung zu bringen und Vertrauen wachsen zu lassen. Vielleicht ist es auch für Ihr Team der richtige Impuls.

Über die Autorin
Iris Kunrath ist Organisationsentwicklerin und Beraterin bei runddenker. Sie begleitet Führungskräfte und Teams dabei, gemeinsam zu wachsen, Zusammenarbeit zu stärken, Kultur weiterzuentwickeln und Wandel aktiv zu gestalten.

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